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Lebensgefühl-Messe 2017

Erschienen am 22.03.2017

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Das gesamte Stadtbild aufgehübscht

Kleine Gartenschau eröffnet: 121 Tage „Blütentraum & Schwarzwaldflair“ in Bad Herrenalb – Schau soll langfristig wirken

Unter Grünprojekt versteht man in Baden-Württemberg seit dem Jahr 2001 kleinere Gartenschauen, die sich jährlich mit den Landesgartenschauen abwechseln. Die kleine Gartenschau findet in diesem Jahr in Bad Herrenalb statt. Unter dem Motto „Blütentraum & Schwarzwaldflair“ lädt die Stadt bis zum 10. September auf das zehn Hektar große Gelände mit Kurpark und Klosterviertel sowie der Schweizerwiese ein.

Die Kurstadt Bad Herrenalb hat die Ausstellung genutzt, um ihr Stadtbild nachhaltig aufzuhübschen. „Wir bieten den Besuchern eine ganz besondere Gartenschau“, betont Bürgermeister Norbert Mai. „Die drei Geländeteile Klosterviertel, Kurpark und Schweizerwiese sind Bestandteil des innerstädtischen Raumes. Deshalb haben wir nicht nur das Gartenschaugelände neu gestaltet, sondern auch große Teile des Stadtbildes nachhaltig und dauerhaft aufgewertet.“ Zu den markantesten Veränderungen zählen der neue Rathausplatz, die zum Flanieren einladende breite Kurpromenade und die auf einer Länge von 500 Metern renaturierte Alb mit zahlreichen Sitzgelegenheiten am Ufer. Die Gartenschau erstreckt sich auf drei unterschiedliche Geländeteile, von denen jedes ein eigenes Gesicht  hat. Diese unterschiedliche Gestaltung der drei Bereiche soll ebenfalls stilbildend für die Gartenschau sein.

Als prägender und identitätsstiftender Bestandteil wurde das 1149 entstandene Klosterviertel mit in das Ausstellungskonzept einbezogen. Besucher erleben dort das historische Zentrum von Bad Herrenalb mit zahlreichen Kunst- und Kulturveranstaltungen. Pflanzenliebhaber zieht es an den von Bürgern gestalteten Klostergarten Herrenalb sowie den Pfarrgarten mit Staudenpflanzungen. Am Abend wird das Klosterviertel mit attraktiven Lichtinstallationen neu in Szene gesetzt.

Der Kurpark will sich hingegen  wildromantisch präsentieren. Blühende Besonderheiten sind die „Kleinen Kurgärten“, der Dahlien- und Fantasiegarten oder das Pfingstrosenbeet. Ebenfalls im Kurpark angesiedelt ist der SWR-Garten, der auch für Fernsehübertragungen während der Gartenschau genutzt wird.

Die Schweizerwiese ist der Hauptschauplatz für die temporären Ausstellungen. Bunte Schaugärten, farbenprächtige Blumenbeete, Informationsangebote, Veranstaltungsbühne und Gastronomie sind dort während der Gartenschauzeit zu finden. Die Mitte dient als Aktionswiese und eröffnet einen freien Blick auf die imposanten Falkensteinfelsen im Hintergrund.

Ein dick geschnürtes Veranstaltungsprogramm soll für Spaß und Unterhaltung sorgen. Ob Kochshows, Lesungen, Konzerte, Open-Air-Kino, Astrobeobachtungen oder Übungen für Körper und Geist – für jeden ist etwas dabei, versprechen die Veranstalter. Die jüngeren Besucher können den blühenden Schwarzwald bei Mitmachangeboten im grünen Klassenzimmer und dem Kid’s Camp entdecken. Spaß und Action gibt es zudem am neuen Falkenstein-Spielplatz mit Kletterfelsen sowie beim Pumptrack, einem Rundkurs für Mountainbiker und BMX-Fahrer. Zu den Bühnen-Highlights zählen das Sommernachtstheater und Auftritte bekannter Künstler wie Christoph Sonntag, Pe Werner, Herrn Stumpfes Zieh & Zupf Kapelle oder der SWR1 Band.

„Die Gartenschau“, sagt Bürgermeister Mai, „ist für die Stadt eines der wichtigsten Ereignisse der letzten 20 Jahre.“ Die Aufbruchstimmung, die bereits für positive Veränderungen gesorgt hat, will die Verwaltung für die Zukunft bewahren. Engagierte Bürger sollen sich treffen, um unabhängig von der Gartenschau ihre Gestaltungsvisionen für ihre Stadt zu entwickeln und zu erörtern. „Die Verwaltung wird das Engagement unterstützen“, sichert Mai zu, die Initiative müsse aber von den Bürgern ausgehen. „Dann bleibt Bad Herrenalb auch in Zukunft ein grünes Juwel.“           red / Foto: Gartenschau Bad Herrenalb

Info: Gartenschau Bad Herrenalb, bis 10. September, Öffnungszeiten:  täglich 9 bis 18.30 Uhr, Karten: Tageskarte Erwachsene: 13 Euro,  Zwei-Tageskarte: 20 Euro, kleine Familienkarte: 13 Euro, große Familienkarte: 26 Euro, Dauerkarte: ab 79 Euro. Mehr unter www.badherrenalb2017.de

Teure Umsiedlung

Eidechsen am Minilasso – Millionen für den Artenschutz bei ICE-Trasse und S 21

Menschen mit Leuchtwesten und Angelruten stapfen durchs hohe Gras am Rand von Oberboihingen, auch am nahen Damm der Bahnlinie Stuttgart–Tübingen entlang. Und suchen. Das Objekt ihrer Begierde: europaweit streng geschützte Lucerta agilis. 200 solcher Zauneidechsen haben sie in den vergangenen Wochen gefunden, 250 werden hier vermutet. Nach Vorgaben des Artenschutzes müssen sie weg, denn dort sollen bald die Bagger für die ICE-Trasse Stuttgart–Ulm rollen, die mit dem Tiefbahnhof Stuttgart 21 verbunden wird. Die Experten fangen die streng geschützten Tiere mit einer an einer Rute befestigten Schlinge, ähnlich einem Minilasso, oder auch mal mit der Hand, wie Chefsammlerin Sandra Panienka berichtet. Freigegeben würden von ihr immer nur die Flächen, „auf denen wir unser Möglichstes getan haben, um die Tiere abzusammeln“, sagt Panienka.

15 Millionen Euro hat die Bahn für die Umsiedlung von Eidechsen entlang des Milliardenprojekts S 21 und der Neubaustrecke Stuttgart–Ulm eingeplant. Nicht das Einfangen mache das Ganze so teuer, so die Bahn, sondern auch die Planung, Beobachtung, Vertreibung und die Beschaffung von neuen Habitaten. Um 18 Monate hätten sich die Bauarbeiten bei Wendlingen verzögert, sagt Bahnsprecher Jörg Hamann. 2000 bis 4000 Euro koste unter dem Strich die Umsiedlung jedes Tieres. Naturschützer mahnen derweil eine bessere Planung an: Artenschutz müsse nicht so teuer sein, wenn man nur rechtzeitig daran denke, sagt Johannes Enssle, Landeschef des Naturschutzbundes.

Das Land mache der Bahn dauernd Vorschläge, wie man mit dem Thema Artenschutz umgeht, sagt Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Die Bahn müsse diese aber auch annehmen. „Da mangelt es etwas.“ Er habe schon beim Faktencheck darauf hingewiesen, dass ein Gleisbett keine Steinwüste, sondern ein lebendiges Biotop sei. „Jetzt kann man nicht so tun, als sei man total überrascht.“ Auf die Frage, ob der Aufwand für solche Aktionen verhältnismäßig sei, sagt der Regierungschef: „Es ist nicht verhältnismäßig, Arten auszurotten.“

Als artgerecht für eine Eidechse gilt nach Angaben der Bahn eine Fläche mit Steinhaufen, auf denen sich die Kriechtiere sonnen können, mit Sandflächen zur Eiablage, trockenen Ästen, Reisighaufen und Rückzugsräumen – sowie eine insektenfreundliche Vegetation, damit sie genug Nahrung finden. Solche Habitate sind für die Oberboihinger Zauneidechsen zehn Kilometer weiter vorbereitet worden.

Der Artenschutz ist auch auf anderen Baustellen des Megaprojekts Thema: So mussten am Bahnhof Feuerbach Zauneidechsen eingesammelt werden. 655 000 Euro habe die Umsiedlung nach Steinheim an der Murr gekostet, berichtet die Bahn. Das seien annähernd 4500 Euro pro Tier. Für andere Zauneidechsen von einem Bauplatz in Untertürkheim errechnete das Unternehmen sogar 8599 Euro – pro Tier.

Und dann gibt es ja noch den legendären Juchtenkäfer, der die Bahn schon auf dem Gelände des neuen Tiefbahnhofs geärgert hat. „Den Tieren geht es gut“, sagt Stephan Blum, der Artenschutzbeauftragte der Bahn für Stuttgart 21. Am Bahnhof mussten sie umplanen, ebenso wie jetzt nahe der Wilhelma im Rosensteinpark. Dort habe man einen Tunnel eigentlich in offener Bauweise bauen wollen, berichtet Bahnsprecher Jan Dambach. Da dort aber sechs Bäume stehen, in denen Juchtenkäfer vermutet würden, müssten diese stehen bleiben. Die Bahn sieht 20 Millionen Euro Zusatzkosten.  dpa / Foto: dpa

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Die Deutsch Bahn überlegt, die klassische Fahrkarte durch
digitale Tickets zu ersetzen – abgerechnet über das Handy des
Fahrgasts. Was denken Sie: Soll man die Fahrkarte abschaffen?


Foto: dpa

Fahrkarte abschaffen?

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Paradies Provinzbühne

WLB stellt neues Programm vor – Steigende Besucherzahlen – Neue Angebote

Beim Theater spielt das Genre Film selten eine Rolle. Im neuen Spielplan der Württembergischen Landesbühne (WLB) in Esslingen schon: Den Stoff von gleich vier Kinostreifen und Fernsehfilmen bringt die WLB unter Intendant Friedrich Schirmer auf die Bühne.

„Schtonk“ ist eine der adaptierten Geschichten, die die WLB als eine von zehn Uraufführungen inszeniert. Die Story über die gefälschten Hitler-Tagebücher im Magazin „Stern“ bedient auch Jahrzehnte nach dem Skandal aktuelle Themen – Fake News seien gerade in aller Munde, wie Schirmer betonte. Drehbuchautor Ulrich Limmer war bei der Präsentation dabei. Viele Bühnen hätten sich schon um die Adaption bemüht. Esslingen bekam den Zuschlag. Der Grund: „Ihr wart am meisten begeistert“, sagte Limmer. Eine weitere verfilmte Geschichte aus dem Jahr 2014 liegt dem Stück „Wir sind die Neuen“ zugrunde – ein Film über das Zusammentreffen einer Senioren-WG mit einer WG von jungen Leuten. Ein weiteres Mal fällt eine Bühnenfilmklappe beim Stück „Die Kirche bleibt im Dorf“.

Neben den filmischen Stoffen hat die WLB weitere Premieren geplant: Insgesamt sind es 20, darunter zehn Uraufführungen, die ganz unterschiedliche Interessen ansprechen. Die Spielzeit eröffnet am 23. September im Schauspielhaus Henrik Ibsens „Hedda Gabler“. Am 13. Oktober folgt mit Jack Londons „Der Seewolf“ in einer Bearbeitung von Tom Blokdijk eine weitere Uraufführung. Eine musikalische Revue steht mit „Elvis, Comeback“! – auch eine Uraufführung – am 27. Oktober an. Das Stück ist eine Koproduktion mit der Band „Roll Agents“. Auch eine Uraufführung ist die Bühnenbearbeitung des Opernstoffs von Carl Maria von Weber: „Der Freischütz“ ist eine Kooperation mit dem Studiengang Opernschule der Musikhochschule Stuttgart – und eine weitere Opernbearbeitung nach dem „Fliegenden Holländer“ in der Saison zuvor. Ilse Langners „Frau Emma kämpft im Hinterland“ wiederum bildet den Abschluss der Beschäftigung mit Themen und Stoffen des Ersten Weltkriegs.

Für Kinder und Jugendliche hat Spielleiter Marco Süß wieder ein anspruchsvolles Programm zusammengestellt – mit vier Uraufführungen. Eine besondere Empfehlung von Süß gilt dem Stück „Auerhaus“ nach dem Roman von Bov Bjerg. Das Freilichtstück der kommenden Saison ist „Ein Sommernachtstraum“ mit Songtexten von Heinz Rudolf Kunze.

Die Saison 2017/2018 ist Schirmers achte Esslinger Spielzeit. Er scheint sich wohlzufühlen: Das Theater im Schatten der großen Häuser bezeichnete er als „Paradies“. Ähnliche Freude mag Verwaltungsdirektorin Vera Antes angesichts steigender Besucherzahlen empfunden haben. In der vergangenen Spielzeit wurden 113 082 Zuschauer gezählt – so viele haben seit 25 Jahren nicht mehr die Vorstellungen besucht. Weitere Besucher sollen neue Angebote wie das Cliquenticket und das Schnupper-Abo anlocken.     bob / Foto: bob

 

Info: www.wlb-esslingen.de, Kartentelefon: t 07 11/35 12-30 44

„Wir haben ein sehr hohes Niveau“

Kreisweite Mostprämierung in Neuffen – Harmonie von Farbe, Geruch und Geschmack

Der Landkreis Esslingen hat kürzlich zum ersten Mal eine kreisweite Mostprämierung ausgerichtet. Dabei traten im Weinkeller der Weingärtnergenossenschaft Hohenneuffen-Teck in Neuffen 22 Erzeuger mit 23 Produkten aus ihren Streuobstwiesen an. Die Erstplatzierten, Hermann Haußmann aus Oberboihingen, Stefan Ott aus Dettingen, Siegfried Kirsamer aus Neidlingen und Peter Röser aus Baltmannsweiler, werden sich in der zweiten Monatshälfte bei der Mostmeisterschaft des Vereins Schwäbisches Streuobstparadies mit den Siegern der Prämierungen in fünf weiteren Landkreisen messen.

Etwa 50 Leute sitzen an den langen Tischen im historischen Gewölbekeller der Weingärtnergenossenschaft Hohenneuffen-Teck in der Stadtmitte von Neuffen in kleinen Gruppen beisammen. Sie alle sind Experten in Sachen Most und an diesem Abend dazu aufgerufen, die  überzeugendsten Tropfen aus dem Landkreis zu küren. Halbgefüllte Gläser mit goldgelber Flüssigkeit werden gegen das Licht gehalten und sacht geschwenkt. Immer wieder werden die Nasen tief in das Glas gesteckt, Düfte und Aromen eingesammelt. Lippen werden gespitzt, langsam werden kleine Schlucke genommen und über die Zungen gerollt. Dann wird gemurmelt, besprochen, diskutiert. Die Farbe und Klarheit des Mosts sollen zufriedenstellen, Geruch und Geschmack müssen überzeugen und es müssen Punkte für die Harmonie, das Zusammenwirken von Optik und Sensorik, vergeben werden.

Marion Leuze-Mohr, die Erste Landesbeamtin und Stellvertreterin des Landrats, Neuffens Bürgermeister Matthias Bäcker, die Sommelière Christiane Leibssle, Christel Schäfer und Sigrid Jetter, die Vorsitzenden der Obst- und Gartenbau-Kreisverbände Esslingen und Nürtingen, Gerhard Schmid, Brenner, Obstkenner und früherer Deizisauer Bürgermeister, der Weingärtner Helmut Dolde und der Most- und Obstfachmann Rudolf Thaler bilden die Jury. Ihr Urteil wird allerdings nur zu 40 Prozent in die Bewertung einfließen, ausschlaggebend ist die Expertenmeinung der Erzeuger.

Die haben mit der Begutachtung und Beurteilung der Kostproben, die auf den Tisch kommen, keine leichte Aufgabe. Schließlich sollen innerhalb von knapp zwei Stunden 23 Produkte bewertet werden, die bereits bei Prämierungen der örtlichen Obst- und Gartenbauvereine vorne mitgespielt hatten. „Wir stellen fest, dass wir mittlerweile ein sehr hohes Niveau bei den Produkten haben“, sagt der Mostereibesitzer Alexander Seiz aus Schwäbisch Gmünd, der die Prämierung moderiert. Und da auch die eigenen Tropfen unter die Nase kommen, gilt es, sich vor allzu vorlauter Kritik zu hüten. Dennoch verschafft sich mancher der Experten deutlich Luft. „Das ist mal ein Most wie er sein soll, hoher Birnenanteil, schön durchgegoren, sauber ausgebaut, klar und ehrlich“, lobt ein Juror. Doch schon die nächste Probe findet keine Gnade. „Das schmeckt ja wie Apfelsaft“, tönt es missbilligend aus einer Gruppe.

„Es ist nichts Schlechtes dabei.  Aber mit dem Most ist es wie mit dem Wein, es ist immer eine ganz individuelle Geschmacksfrage“, kommentiert der Erzeuger Andreas Brunthner aus Hochdorf. Er nimmt regelmäßig an Prämierungen teil, „und ich war mit demselben Most schon ganz vorne und beim nächsten Mal Letzter“, erzählt er.

Der Weingärtner Helmut Dolde aus Linsenhofen bestätigt die Sache mit dem Geschmack und zieht eine weitere Analogie. „Es gibt keinen Unterschied zwischen Wein und Most. Die Bereitung ist im Wesentlichen die Gleiche“, stellt er fest. Allerdings sei der Weinbau, trotz der mittlerweile hohen Qualität des Mosts, viel weiter in der Raffinesse des Ausbaus der Produkte. „Der Most steckt vergleichsweise noch in den Kinderschuhen“, sagt er. So könnten die Mosterzeuger von der Weinwirtschaft einiges abschauen. „Die Auswahl der verwendeten Frucht, der Umgang mit Hefe und Vergärung – man kann viele Fehler vermeiden. Was in der Mostherstellung noch fehlt, ist eine begleitende Analytik“, sagt Dolde. Andreas Brunthner will jedoch einen wichtigen Aspekt nicht außer Acht lassen. „Hauptsache ist doch, der Most schmeckt mir“, sagt er.               pst / Foto: pst

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Grillen, kochen, backen – laufend sind Prominente und
weniger Prominente auf vielen Kanälen in TV-Küchen zugange.
Wie geht es Ihnen damit? Haben wir zu viele Kochshows?


Foto: dpa

Zu viele Kochshows?

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Gemüse als gemeinsame Sache

Der Hopfenhof in Oberensingen hat auf „solidarische Landwirtschaft“ umgestellt – Das beeinflusst auch den Lebensstil

Im Folientunnel wächst Schnittsalat: David Traub mit den Töchtern Lois (links) und Pua.

Daniela Solimando holt Gemüse auf dem Hopfenhof ab und unterhält sich mit Landwirt David Traub.

 

Der Bauer kann nichts fürs Wetter, trotzdem trägt er in der Regel das Risiko für Ernteausfälle. Beim Modell „Solidarische Landwirtschaft“ ist das anders: Kosten, Risiko und Ernte werden geteilt. Der Hopfenhof in Oberensingen praktiziert im dritten Jahr „Solawi“ und Familie Traub ist von dem Modell überzeugt.

„Für mich ist es ganz toll, dass ich regionales Bio-Gemüse habe“, sagt Daniela Solimando. Ihre fünfköpfige Familie deckt mit einem Anteil am Hopfenhof einen Großteil ihres Bedarfs an Gemüse ab und liebt besonders die Karotten. Die zu putzen sei zwar aufwendig, weil sie nicht so glatt sind, sagt das Solawi-Mitglied, aber „der Geschmack wiegt alles auf“. Gerade stehen den Mitgliedern pro Anteil festgelegte Mengen an Spinat, Salat, Schnittsalat, Kohlrabi und Pastinaken zu. Solimando wiegt im Verteilraum ihre Mengen ab und hält nebenbei ein Schwätzchen mit David Traub, der gerade vorbeikommt.

Traub ist auf dem Hopfenhof, der 1983 auf Bioland-Betrieb umgestellt hat, aufgewachsen. Der gelernte Landwirt hat zusätzlich Betriebswirtschaft studiert. Er weiß, dass viele Bauern auf einen Stundenlohn von zwei bis drei Euro kämen, wenn sie ihn ausrechnen würden. Das wollte der vierfache Vater sich und seiner Familie nicht antun – und er sieht darin auch kein Zukunftsmodell. Mit seiner Frau Damaris dachte er über solidarische Landwirtschaft nach, als sich in Nürtingen eine Initiative gründete, die genau darauf hinarbeiten wollte.

So begann die Geschichte der Solawi auf dem Hopfenhof. Wobei es nicht das eine Modell gibt, manchmal ist ein Verein oder eine Genossenschaft die Basis. Bei Traubs ist das Ganze aus dem bestehenden Hof heraus gewachsen, der weiterhin vom Eigentümer geführt bleibt. Jedes Mitglied kauft einen Anteil für ein Wirtschaftsjahr von April bis Ende März und bezahlt als Richtwert 75 Euro im Monat. Dafür gibt es jeden Freitagnachmittag in zwei Verteilräumen bestimmte Gemüsearten und -mengen abzuholen, je nachdem, was gerade verfügbar ist. Immerhin 57 verschiedene Gemüsearten wachsen übers Jahr auf den mehr als 30 Hektar Ackerland von Traubs, von den Bohnen bis zum Zuckermais.

Für den Landwirt hat das den Vorteil, „dass wir vorfinanziert sind“, sagt Traub. Er beziehungsweise die Mitarbeiter beziehen ein Gehalt, auch die Kosten sind, soweit vorher kalkulierbar, gedeckt. „Es geht aber nicht um Gewinne“, stellt der Landwirt klar. Dafür wäre die Teilnehmerzahl zu klein, es entspräche aber auch nicht dem Solidaritätsgedanken. 40 Teilnehmer waren im ersten Jahr dabei, 62 im zweiten. Das dritte Wirtschaftsjahr startet mit 87 Anteilen, Quereinstieg ist möglich. „Wir sind sehr begeistert, dass es so viele sind“, sagt David Traub. Wirklich stabil und tragfähig sieht er das Modell ab rund 100 Anteilen. Aber schon jetzt ist es aus seiner Sicht „im Prinzip kein Experiment mehr“.

Was nicht ausschließt, dass immer wieder Neues ausprobiert wird. So fand dieses Jahr erstmals eine Bieterrunde statt, bei der finanzkräftigere Mitglieder ein Stückchen vom Anteil anderer übernehmen. Abstriche machte man bei der Idee, dass möglichst viele Mitglieder im Betrieb mithelfen sollen. „Es ist recht schnell klar geworden, dass Zeit ein höheres Gut ist als Geld“, sagt Traub. Auch waren die meisten Teilnehmer einfach nicht so flexibel, wie es der Gemüseanbau erfordert. Dennoch gibt es mehrere Arbeitsgruppen, die Aufgaben auf dem Hopfenhof übernehmen, von der Feldarbeit bis hin zu Reparaturen an den Maschinen.

Das Risiko verteilt sich auf alle, denn wenn ein Teil der Ernte ausfällt, bekommen die Teilnehmer eben entsprechend weniger. In einer Marktwirtschaft hat man theoretisch denselben Effekt, ein kleineres Angebot erhöht den Preis. Durch die Globalisierung ist dieser eigentlich natürliche Vorgang aber verloren gegangen; was fehlt, wird von irgendwoher importiert.

Die Solawi-Teilnehmer sind deutlich näher an der Natur. Sie bekommen Ausfälle und Probleme mit, lernen etwas über Gemüseanbau und erhalten ausschließlich saisonale, vor Ort gewachsene und ganz frische Produkte. Für viele habe sich damit auch der Lebensstil verändert, sie wüssten das sehr zu schätzen, sagt Traub. In der „Werkstatt“ probieren Teilnehmer gelegentlich gemeinsam Rezepte aus, kochen ein oder Ähnliches.

David Traub war auch wichtig, „dass das, was ich erzeuge, komplett konsumiert wird“: Das ist jetzt der Fall, auch bei Früchten, die nicht der EU-Norm entsprechen. Das Modell fördere zudem die gefährdete kleinbäuerliche Struktur und die Direktvermarktung, sagt der Landwirt.                aia / Fotos: aia

 

Info: Solidarische Landwirtschaft wird auch auf dem Reyerhof in Stuttgart-Möhringen praktiziert, der Kreuthof in Heiningen bei Göppingen baut sie gerade auf. Auf www.ernte-teilen.org findet man eine Karte mit allen Projekten in Deutschland.

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2,8 Millionen Versuchstiere werden in deutschen Labors
eingesetzt – oft in der Krebsforschung. Tierschützer fordern
ein Verbot. Und Sie? Sollen Tierversuche eingestellt werden?


Foto: dpa

Tierversuche einstellen?

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Das Beste für jedes Kind

Drei Säulen der Inklusion: Eltern sollen wählen können – Kulturschwerpunkt an Bodelschwinghschule – Ganztagsschulbetrieb wird angestrebt

Der Landkreis Esslingen ist der Träger von drei sonderpädagogischen Einrichtungen, eine weitere Schule dieser Art mit Internat wird vom Land getragen. Neben deren Schulen und Kindergärten sowie den Außenklassen exi­s-tiert seit ein paar Jahren die Betreuung gehandicapter Kinder und Jugendlicher in Regelschulen.

„Das sind die drei Säulen der Inklusion“, betonte kürzlich die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) bei ihrem Besuch des Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums (SBBZ) Rohräcker in Esslingen. Das Wichtigste für Eisenmann ist die Möglichkeit, dass unter den angebotenen Formen der Beschulung gewählt werden kann. „Das Wahlrecht der Eltern ist das zentrale Thema bei der Inklusion“, betonte die Ministerin. Rund 25 Prozent der Eltern mit gehandicapten Kindern im Kreis Esslingen entscheiden sich für eine Betreuung in einer Regelschule, die überwiegende Mehrheit wählt die Sonderschulen. Allerdings hat sich die Zahl der Eltern, die ihre Kinder in die Regelschule schicken, seit dem Jahr 2014 fast verdoppelt. Das stellt nicht nur den Landkreis Esslingen vor Probleme, da die vorgegebene Betreuung durch zusätzliche Pädagogen – das sogenannte Zwei-Pä­dagogen-Prinzip – nicht immer garantiert werden kann: „Da, wo es sinnvoll ist, aber kaum flächendeckend“, sagte die Ministerin: 40 Millionen Euro sollen aber künftig in die Fortbildung von Werkrealschullehrern investiert werden, damit die Lücke von Sonderpädagogen geschlossen werden kann.

Derzeit investiert der Landkreis Esslingen fast 55 Millionen Euro in die Generalsanierung des SBBZ Rohräcker. Die Stadt Esslingen beteiligt sich mit drei Millionen Euro, neun Millionen sollen vom Land kommen.

Der Landkreis arbeitet ebenfalls daran, die drei Sonderschulen im Kreis in Ganztagsschulen umzustrukturieren. Ein Vorhaben, das auch aus der Elternschaft stark nachgefragt und begrüßt wird. Für die Elternbeirätin Cecile Hammer ist die Sonderschule eine unverzichtbare Einrichtung für gehandicapte Kinder: „Für manche Kinder ist die Schule das einzige soziale Umfeld außerhalb der Familie.“

Aber eine Gleichstellung mit Regelschulen in puncto Ganztagesversorgung sehen Eltern dringend geboten: „Mütter von behinderten Kindern können noch nicht einmal halbtags arbeiten gehen“, beklagte Elternbeirätin Ursula Hofmann.

Bei der Umstellung zum Ganztagsbetrieb stößt auch die Bodelschwinghschule in Nürtingen an ihre Grenzen. „Der Schulträger ermittelt gerade den Bedarf“, erklärt  Rektorin Barbara Andreas. Schon jetzt ist die räumliche Enge offensichtlich. Klassenzimmer sind in Containern eingerichtet, seit Ostern steht der fünfte Container am Bodelschwinghweg 15. Ab dem Sommer soll laut Andreas eine Machbarkeitsstudie laufen. „Unsere Schülerzahlen steigen, und die Prog­nosen für die nächsten zehn Jahre gehen ebenfalls von steigenden Zahlen aus.“

Die Bodelschwinghschule, die nun 142 Schüler aufnimmt, käme demnach auf mehr als 160 Kinder. Einen Grund für die Steigerung sieht Andreas zum einen in der verbesserten Diagnostik bei einigen Krankheitsbildern. Vor allem auf dem Gebiet der Autismus-Erkrankungen: „Früher sprach man von schwierigen Schülern, heute erkennen die Ärzte Autismus und wissen, dass diese Kinder eine besondere Behandlung benötigen.“ Die Schulrektorin stellt darüber hinaus fest, dass das „Interesse an unserer Schule ganz allgemein steigt“. Möglicherweise auch deshalb, weil die Schule außergewöhnliche Wege geht. Im Jahr 2016 ist die Bodelschwinghschule Kulturschule geworden – eine Auszeichnung mit finanzieller Förderung durch das Land. Zehn ausgewählte Schulen im Land werden für fünf Jahre darin unterstützt, kulturelle Bildung zu einem noch selbstverständlicheren und breiteren Bestandteil des Schulalltags zu machen. Dafür haben das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport und die Karl Schlecht Stiftung das Modellprojekt „Kulturschule 2020 Baden-Württemberg“ entwickelt. „Die Bodelschwingh­schule Nürtingen gehört als einzige Sonderschule in Baden-Württemberg dazu“, freut sich Andreas. Die Schule erhält ein jährliches Budget von 10 000 Euro, um fächer- und jahrgangsübergreifende Angebote der kulturellen Bildung noch breiter in der Schulpraxis umzusetzen.

„Darin haben wir jahrelange Erfahrung“, erklärt die Rektorin und zählt auf: die Theaterkooperation mit der Albert-Schäffle-Schule Nürtingen, die Musikprojekte mit der Neckarrealschule und der Musikschule in Nürtingen, Kunstausstellungen im Rathaus und im Landratsamt, Konzerte mit dem Plochinger Gymnasium und mit dem Lehrersymphonie-Orchester und die Schulband „Die Coolsten“  sowie zahlreiche Kunstprojekte. Und im Mai steht die nächste Projektwoche an: 18 Schüler bringen ein Theaterstück auf die Bühne.

Die kleinste landkreiseigene Sonderschule steht in Dettingen: Die Verbundschule Dettingen unterrichtet rund 120 Jungen und Mädchen.  Die Konzeption ist im Land einmalig. Die Kinder der Schule für Sprachbehinderte und die Kids der Schule für Körperbehinderte mit dem Bildungs­gang „Geistig behindert“ werden in zwei eigenständigen Abteilung­en nach dem jeweiligen Lehrplan unterrichtet.

In Nürtingen versorgt außerdem die Johannes-Wagner-Schule unter der Trägerschaft des Landes Hörgeschädigte und Sprachbehinderte. Die staatliche Schule mit Kindergarten und Internat erhält nun rund 2,9 Millionen Euro vom Land für einen Sonderbau. Gebäude werden abschnittsweise saniert und umstrukturiert. Dadurch soll die Bausubstanz gesichert und der Schulbetrieb optimiert werden.              bob

Foto: Bodelschnwinghschule

 

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Es herrscht Lehrermangel, der Fremdsprachenunterricht
in der ersten Klasse steht auf der Kippe. Was sagen Sie?
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Foto: dpa

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