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Lebensgefühl-Messe 2017

Erschienen am 22.03.2017

Bauen & Wohnen

Erschienen am 22.02.2017

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Aufgeschoben

Bis zu 25 Millionen für Brückenreparaturen in Esslingen – Abbruch und Neubau später

Bis auf die Dieter-Roser-Brücke in Zell sind alle Brücken über den Neckar in Esslingen sanierungsbedürftig. Und nicht nur das: Abbruch und Neubauten sind günstiger als Sanierungen – ein finanzieller Kraftakt in Höhe von mehr als 100 Millionen Euro kommt dabei auf die Stadt zu. Jetzt hat die Verwaltung ein Konzept vorgelegt, mit dem sie den Abbruch in die Zukunft schiebt und die Brücken mit Reparaturen für die Übergangszeit sicher macht. Das wird geschätzt bis zu 25 Millionen Euro kosten – vorerst.

Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben: Die Abrissbagger werden wahrscheinlich in fünf bis sechs Jahren zuerst an der Hanns-Martin-Schleyer-Brücke zwischen den Stadtteilen Weil und Brühl sowie Mettingen auf der anderen Seite anrücken. Sie ist zwar die kleinste Brücke, aber das größte Sorgenkind der Stadt. Der Spannbeton, mit dem sie 1964 gebaut wurde, ist schadhaft. Bis zum Abbruch wird sie nochmals fit gemacht. Dann kommen die Vogelsang- und die Adenauerbrücke an die Reihe. Alle Neckar-Übergänge sollen so lange es geht sicher befahren werden können. Ab Mitte 2017 werden Sofortmaßnahmen an der Hanns-Martin-Schleyer-Brücke vorgenommen: So erhält das Bauwerk ein Stahlkorsett; außerdem wird ein Monitoringsystem eingebaut, das Verschlechterungen in der Bausub­stanz anzeigt, sodass rechtzeitig reagiert werden kann.

In den Jahren 2018 und 2019 rücken die Vogelsangbrücke und die Adenauerbrücke in den Fokus: Ihre Rampen werden eingeengt, um ihre Statik zu entlasten. Geschwächte Bauteile werden verstärkt, Risse geflickt. Die Stadt will auch Dehnungsmessstreifen an rissgefährdeten Bereichen anbringen. So in Ordnung gebracht, könnte die Vogelsangbrücke noch bis zu zehn Jahre, die Adenauerbrücke bis zu 20 Jahre stehen bleiben. Die Brücken werden auch dringend benötigt: Sie müssen schließlich die Last der jeweils abgebrochenen Brücke tragen. „Die Maßnahmen verschaffen uns Zeit“, erklärte Erster Bürgermeister Wilfried Wallbrecht. Zeit, die die Stadt braucht, um die Planungen für die Brückenneubauten in Ruhe voranzutreiben. Für Wallbrecht ist das auch die wirtschaftlichere Vorgehensweise. „Die Millionen für die Ertüchtigung sind nicht nur gut investiert, sie eröffnen zudem noch ein zeitliches Planungsfenster, um die zukünftigen Verkehrslagen an die neuen Mobilitätsansprüche anzupassen“, sagte Wallbrecht.

Mit dem Start der Bauarbeiten warten auf die Bürger sicherlich erhebliche Verkehrsbelastungen. Die Stadtverwaltung will mit Verkehrslenkungen dagegensteuern und ruft dazu auf, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Und sie setzt auf Kommunikation: Ab Ende März will sie regelmäßig über den Stand der Arbeiten auf einer eigenen Baustellen-Website informieren.                 bob / Foto: bul

Als Jane dreht Jenny auf

Jenny Grace Hohlbauch aus Altbach spielt im Musical „Mary Poppins“ mit – Zwölfjährige liebt das Singen – Kleid ist Stoff für Mädchenträume

   

Drei oder vier Mal im Monat wird Jenny Grace Hohlbauch zur frechen, zickigen Göre. Obwohl das eigentlich gar nicht ihrem Naturell entspricht, freut sie sich jedes Mal darauf: Die Zwölfjährige aus Altbach spielt im Musical „Mary Poppins“ im Stage Apollo Theater des Möhringer SI-Centrums als Jane Banks eine der Hauptrollen.

Gesungen hat Jenny schon immer gern und gut, das wissen ihre Mitschüler ebenso wie die Nachbarn in Altbach, die sie öfter mal Whitney-Houston-Songs üben hören. „Da scheppern schon die Wände hier“, sagt ihre Mutter, Iris Hohlbauch. Sie stuft sich selbst wie auch ihren Mann als absolut unmusikalisch ein; das Gesangstalent, das auch Jennys ältere Schwester Joy-Lia hat, komme wohl von der Oma.

Jennys Musiklehrerin im Gymnasium war es, die sie vor gut einem Jahr auf das Casting für „Mary Poppins“ hinwies. Mit 400 anderen Kindern ging Jenny ins Rennen, trug Kinderlieder und Texte vor, machte Tanzschritte. Der Mary-Poppins-Ausdruck „Supercalifragilisticexpialigetisch“ war dabei noch eine der leichteren Übungen. Jenny machte das Ganze Spaß, sie kam Runde um Runde weiter. Und je mehr sie lernte und sich vorbereitete, desto größer wurde der Drang, auf der Bühne zu stehen. Als dann die Nachricht kam, dass sie es geschafft hat, freute sie sich riesig.

Dass Arbeit auf sie zukommt, wurde der Familie „von Anfang an ganz klar gesagt“, sagt Iris Hohlbauch. Ferien waren erst mal gestrichen, ebenso der geplante Sommerurlaub. Jennys Schwester trägt das mit, sie ist selbst musikbegeistert und spielt mit Jenny in der Schülerband „Traffic Lights“. Bei deren wöchentlichen Proben ist Jenny nach wie vor fast immer dabei. Das Fußballspielen hat sie allerdings vorläufig auf Eis gelegt.

„Mary Poppins ist für mich gar kein Stress, ich habe genug Zeit“, sagt die pfiffige Zwölfjährige. Mit Vor- und Nachbereitung kommen pro Show rund vier Stunden zusammen, wobei die Kinderdarsteller drei bis vier Auftritte im Monat und laut Jugendschutzgesetz maximal 30 im Jahr haben. Deshalb sind die Kinderrollen zwölffach besetzt.

Während der Vorbereitungs- und Probenzeit war das Programm strammer: Stimmbildung, Gesang, Tanz und Schauspiel standen auf dem Stundenplan. Anders als viele andere Kinderdarsteller hatte Jenny vorab nie Unterricht in dieser Richtung, trotzdem tat sie sich leicht, auch mit dem Textlernen. Mal waren die Regisseure des Original-Musicals aus London zu Gast und arbeiteten mit den Darstellern, schließlich durften sie – lange ersehnt – in die Kostüme schlüpfen. Vom Pony, den sie sich schneiden lassen musste, ist Jenny zwar weniger begeistert: Man gewöhne sich dran, lacht sie. Aber das rosarote viktorianische Kleid von Jane Banks ist schon ein Stoff für Mädchenträume.

Das Musical vereint Elemente aus der Romanvorlage von P. L. Travers und dem bekannten Disney-Film aus den 1960er-Jahren. Es erzählt die Geschichte der Familie Banks und ihrer verzogenen Kinder Jane und Michael, die vom Kindermädchen Mary Poppins mit den magischen Kräften gezeigt bekommen, was wirklich wichtig im Leben ist. Neben Zauberei und Fantasie finde sich darin auch durchaus Realitätsnahes, sagt Jenny, zum Beispiel, dass die Familie Banks „eine Person von außen braucht, die sie zusammenführt“.

Das Team des Stage Apollo Theaters ist für die Altbacherin inzwischen „wie eine Familie“, sie fühlt sich auch unter den Profi-Schauspielern rundum wohl: „Da fließt Energie!“ Am schwersten fiel ihr, die Rotzgöre zu geben und vor den Zuschauern zu schreien. Das musste sie üben, mittlerweile „macht es sogar ein bisschen Spaß“, sagt sie verschmitzt. Es sei wichtig, die Rolle nicht nur zu spielen, „sondern wirklich zu fühlen, so viel wie möglich von der eigenen Persönlichkeit reinzubringen“. Dass sie sogar für eine der Premieren ausgewählt wurde, freute die Zwölfjährige besonders. Die Kinder spielen bei „Mary Poppins“ tatsächlich eine tragende Rolle, sie sind in allen Akten und teilweise lange auf der Bühne. Souffleuse gibt es keine, im Notfall helfen sie sich gegenseitig aus oder improvisieren. Klar komme das vor, dass man mal „einen Hänger“ habe, falsch stehe oder das Umziehen hinter den Kulissen nicht schnell genug klappt, sagt Jenny.

Bei den Proben war viel Geduld und Disziplin gefragt. Vielleicht habe sie da sogar was für die Schule gelernt, meint das Naturtalent. Ihre Noten haben nicht gelitten, sonst wäre das Abenteuer womöglich schnell zu Ende. Und wenn die Darsteller einen Wachstumsschub haben oder nicht mehr ins kindliche Schema passen, ist ihre Zeit auf der Bühne ebenfalls vorbei. Bislang ist noch nicht bekannt, wie lange das Stück überhaupt läuft; bis Oktober ist der Kartenvorverkauf derzeit geöffnet.

Die Frage, ob sie später mal ins Showbusiness einsteigen will, kommt ein bisschen früh. Aber Jenny weiß, dass sie das Singen ganz besonders liebt. Und wie sagt doch Mary Poppins? „Alles, was wir wollen, kann passieren.“            aia / Foto oben: Stage Entertainment, Fotos unten: aia

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In der Nacht zum Sonntag wird die Uhr eine Stunde vorgestellt.
Die Sommerzeit wird kritisiert: Sie berge Gesundheitsrisiken,
spare keine Energie. Was sagen Sie? Die Sommerzeit abschaffen?

Foto: dpa

Sommerzeit abschaffen?

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Schneiden, nicht schnippeln

Großes Interesse am Baumschnittlehrgang für Frauen und von einer Frau in Beuren – Manch ältere Lehrmeinung wird hinterfragt

Eine böse Definition von Streuobstwiesen heißt: Alte Männer pflegen alte Bäume. Am Weltfrauentag vergangene Woche bot sich im Freilichtmuseum Beuren allerdings ein ganz anderes Bild. 50 Frauen verschiedenen Alters beschäftigten sich mit dem Thema Obstbaumschnitt. Unter Anleitung von Christel Schäfer, der Vorsitzenden des Kreisverbands der Obst- und Gartenbauvereine Esslingen (KOV), wurde bei nasskaltem Wetter lebhaft diskutiert und viel gelacht.

Der große Andrang – einigen Interessentinnen musste die Obst- und Gartenbauberatung des Landratsamtes sogar absagen – zeige den Bedarf an einem Kurs von einer Frau für Frauen, sagt Museumsleiterin Steffi Cornelius bei der Begrüßung. Die versammelten Frauen, wetterfest gekleidet und teilweise mit großen Astscheren und Klappsägen ausgerüstet, wirken zwar alles andere als „verschreckt“. Sie sind sich aber offensichtlich auch einig, dass sie beim Schnittkurs auf Männer verzichten möchten, die es womöglich besser wissen oder zu ausschweifenden Erklärungen ansetzen. „Der eine sagt so, der andere andersrum“, fasst eine junge Teilnehmerin zusammen, wie ihr Schwiegervater und ihr Vater sie zur Baumpflege anleiten: Da wolle sie sich lieber selbst weiterbilden. Auch Ursula Reiber möchte eine eigene Grundlage erlernen. Sie pflegt zusammen mit ihrem Mann an die 40 Bäume und möchte ihn unterstützen – „mit Kritik und allem“, fügt sie lachend hinzu.

In einer homogenen Gruppe falle es leichter, „die eine oder andere Frage zu stellen“, meint Regierungspräsidentin Alexandra Sußmann, die ebenfalls zu Gast ist und selbst zum Werkzeug greift. Karin Kas­przyk-Becker, die Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde, beobachtet jedenfalls, dass Frauen bei der Pflege von Streuobstwiesen auf dem Vormarsch sind. Sie würden auch dringend gebraucht, sagte sie, gerade im Kreis Esslingen mit seinen vielen Streuobstflächen.

Übungsobjekte gibt es im Freilichtmuseum, das inmitten von Streuobstbäumen im Landschaftsschutzgebiet liegt, zur Genüge. Schon bei Christel Schäfers kleiner Werkzeugkunde zur Einführung wird klar, dass die Teilnehmerinnen ein unterhaltsamer Nachmittag erwartet. Die hübsche Gartenschere im violett-weißgepunkteten Design fliegt über die Schulter nach hinten: „Damit bekommt man nicht mal einen Grashalm geschnitten!“ Auf Baumschere und Klappsäge als wichtige Utensilien folgen das Tütchen mit den sauber verpackten Pflastern und der Rat, immer zu zweit zu arbeiten. Nicht nur wegen der Unfallgefahr, wenn man aufs Schneiden konzentriert auf der Leiter und im Baum rumturnt, sondern auch wegen der unterschiedlichen Blickwinkel. „Wie sieht das von euch da unten aus?“, ist eine Frage, die Schäfer im Lauf des Nachmittags immer wieder stellt.

Überhaupt zeigt sich schnell, dass es die simple Bedienungsanleitung für den Baumschnitt nicht gibt, sondern immer abzuwägen ist. Wenn ich diesen Ast abschneide, was macht dann der daneben? Neigt sich der recht steil nach oben wachsende Spross, wenn mal ein paar Äpfel dranhängen, womöglich zur Seite, wo er genug Platz und Luft hat? Selbst den bekannten Grundsatz, nach oben schießende Wassersprosse wegzuschneiden, ficht die Fachfrau an: Das sei eine wahre Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, sagt Schäfer, denn im nächsten Jahr habe man an der gleichen Stelle zwei oder drei Sprosse und im übernächsten wieder. Besser reiße man diese Triebe im Juni, „wenn der Baum richtig im Saft steht“, mit einem kräftigen Ruck aus. Dann kämen keine neuen nach.

Auch bei mancher älteren Lehrmeinung winkt Schäfer ab: Etwa, dass nur im Winter geschnitten wird oder dass Baumwachs nötig ist, wenn Äste mit mehr als fünfmarkstückgroßem Durchmesser abgesägt werden. Tatsächlich heile auch eine große Fläche gut aus, wenn sie belüftet sei und das Wasser sauber ablaufen könne, sagt sie, während sich unter dem Wachs Pilzkrankheiten entwickeln könnten.

Eine Grundregel gibt es aber doch: Schneiden, nicht schnippeln! Lieber ganze Äste rausnehmen als überall ein bisschen kürzen. „Lieber einmal einen großen Ast abschneiden, als viele, viele kleine“, sagt Schäfer. Sonst treibe der Baum wild aus, anstatt sich auf einige Achsen zu konzentrieren.

Es bleibt nicht bei der Theorie, Schäfer geht beherzt zur Sache und einige Teilnehmerinnen greifen ebenfalls zu Säge und Astschere. Vorher wird diskutiert, wobei auch nicht tierisch ernst gemeinte Argumente zählen. So entscheidet die Runde, lieber dem unteren von zwei Ästen zu Leibe zu rücken, weil er ohne Leiter abgezwickt werden kann und dann auch beim Mähen nicht mehr im Weg ist. Die Stimmung ist entspannt, die Frauen fragen ausnehmend viel und scheinen sich auch nicht am Regen zu stören, der zu den kalten Temperaturen hinzukommt.

Verena Russ aus Köngen schreibt eifrig mit. Ihre Familie hat im Herbst erstmals eigenen Saft von den Äpfeln auf Omas Stückle machen lassen. „Der war total lecker, da haben wir beschlossen, jetzt mal Energie in die Sache zu stecken“, sagt die junge Frau. Einfach ist die Materie für Baumpflege-Neulinge nicht, manche erwägen einen zweiten Kurs zur Vertiefung, zumal sie Spaß hatten. Und Christel Schäfer bietet immer wieder Schulungen an – übrigens auch für Männer.     aia / Foto: aia

Gesunde Kreiskliniken

Medius Kliniken erwirtschaften wieder Plus – Sanierung in Ruit geplant

Die Kliniken des Landkreises Esslingen heißen jetzt Medius Kliniken. Unter dem Motto „Neuer Name – Vertraute Stärke“ haben die Kliniken auch im Jahr 2016 ihren Erfolgskurs fortgesetzt. Auf diesen Nenner brachte Landrat Heinz Eininger das Ergebnis der Bilanz aus dem Jahr 2016. Mit einem Plus von 9,6 Millionen Euro – vier Millionen Euro mehr als im Vorjahr – sieht der  Landrat den Weg der gemeinnützigen Gesellschaft des Landkreises bestätigt. Bereits im dritten Jahr in Folge wird ein Überschuss erzielt.

In Jubel wollte Eininger dennoch nicht ausbrechen, schließlich standen die Kliniken 2012 als Patient mit einem Abmangel von 14 Millionen Euro da.  „Der Überschuss ist ein Ergebnis, das jedes Jahr aufs Neue bestätigt werden muss“, betonte er.  Und das bedeute, medizinische und wirtschaftliche Qualität weiter miteinander zu verbinden. Die Medius Kliniken mit ihren Häusern in Ostfildern-Ruit, Kirchheim und Nürtingen haben im vergangenen Jahr 44 380 Menschen stationär behandelt und damit 1300 Patienten mehr als noch im Vorjahr. 2800 Menschen arbeiten derzeit in den Kliniken, im vergangenen Jahr wurden nochmals 26 neue Vollzeitstellen eingerichtet. Seit 2010 beschäftigen die Kliniken somit 126 Vollzeitkräfte mehr.

Jörg Sagasser, der medizinische Direktor der Krankenhäuser, sieht den Erfolg auf drei Säulen ruhen: Das sei zum Ersten die hohe Akzeptanz bei Patienten und niedergelassenen Ärzten. Dann seien die Kliniken ein attraktiver Arbeitgeber und schließlich wirtschafte man nachhaltig.

Für rund drei Millionen Euro wurden Geräte und moderne Betten angeschafft. Ruit erhielt einen neuen Kernspintomographen und andere bildgebende Diagnosegeräte, Kirchheim bekam einen zweiten Herzkatheter-Messplatz. Die Stroke Unit-Abteilung in Kirchheim stieg vom Ranking des lokalen Schwerpunkts auf zum regionalen Schwerpunkt. Die ambulante Versorgung für Patienten mit Tumoren im Verdauungstrakt wurde optimiert. Starken Zulauf verzeichnen die Abteilungen Kardiologie und Urologie in Ruit, die Neurologie und die Rheumatologie – Letztere ist Referenzzentrum – in Kirchheim und in Nürtingen war die Unfallchirurgie besonders nachgefragt.

Thomas Kräh, der Geschäftsführer der Medius Kliniken, ist „unglaublich stolz auf das Ergebnis“. Die Kliniken seien eine Ausnahme, schließlich erwirtschafteten nicht einmal eine Handvoll Kliniken in kommunaler Trägerschaft einen Überschuss.

Um die Qualität des Teams zu gewährleisten, werben die Kliniken aktiv um Mitarbeiter. „Wir sind lebensphasenorientiert“, erklärte die stellvertretende Geschäftsführerin  Erika Benz. Jungen Mitarbeitern biete man Betriebskindergärten mit weitreichenden Öffnungszeiten, älteren Mitarbeitern, die ihre Eltern pflegen, flexible Arbeitszeiten an.

Im Ruiter Krankenhaus stehen eine Gesamtsanierung und ein Teilneubau an. Geschätzt werden die Kosten auf 112 Millionen Euro, die Fertigstellung ist für 2023 anvisiert. Die alten Patientenräume im Backsteinbau aus den 60er-Jahren werden ersetzt. Hübsch, aber veraltet seien die, sagte Kräh. Ein Antrag auf Förderung ist gestellt. Geträumt wird derweil davon, dass es 70 Prozent Zuschuss gibt wie für den Klinikbau in Kirchheim. Das ist aber mehr als fraglich. Sicher ist hingegen: In diesem Jahr gibt es keinen Spatenstich mehr.   bob / Foto: bob

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Im „Tatort“ jagen Lürsen und Stedefreund einen Mörder
mit Killerauto. Kritiker monieren die Unglaubwürdigkeit.
Was sagen Sie? Täte der Kultsendung mehr Realitätsnähe gut?

Foto: dpa

Mehr Realitätsnähe?

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Kleiner Unterschied ist noch groß

Internationaler Frauentag am 8. März – Landkreis Esslingen muss Stelle einrichten – Lesungen, Kabarett, Schnittkurs

Am 8. März findet der Internationale Frauentag statt, mittlerweile bereits seit 106 Jahren. Auch wenn sich die Themen geändert haben – das Frauenwahlrecht als eines der ersten Themen ist heute keines mehr –, der Frauentag macht auf Zustände aufmerksam, die Frauen nach wie vor benachteiligen.

„Wir sind weit davon entfernt, von einer Gleichstellung sprechen zu können“, sagt Barbara Straub. Sie ist die Beauftragte für Chancengleichheit der Stadt Esslingen und außerdem eine der drei Sprecherinnen der Landesarbeitsgemeinschaft der Gleichstellungsbeauftragten im Land Baden-Württemberg.

Die Themen heute heißen mangelnde Betreuungsmöglichkeiten für Kinder, schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Elternschaft, häusliche und sexualisierte Gewalt, ungerechte Entlohnungen und Ähnliches mehr. Straub sieht auch gesellschaftliche Veränderungen hinzukommen: „Ich denke dabei an die vielen Flüchtlingsfrauen, die in patriarchalischen Strukturen sozialisiert worden sind.“

Internationale Ausmaße mit lokalem Bezug hat ein weiteres Thema: Genitalverstümmelung. Laut Straub gibt es Schätzungen, die von etwa 30 000 betroffenen Frauen in Deutschland ausgehen.

Barbara Straub ist eine der beiden Gleichstellungsbeauftragten in Kreiskommungen. Ihre Kollegin, die promovierte Sozialwissenschaftlerin Susanne Omran, sitzt in Filderstadt. Auch für sie ist das Feld noch lange nicht beackert. Omran sieht die ungerechte Behandlung von Frauen als gesellschaftliches Problem und nennt Lohnungleicheit und die schlechte Vereinbarkeit von Beruf und Familie als Beispiel. „Gerade junge Menschen haben doch einen Wunsch nach einem partnerschaftlichen Umgang miteinander“, sagt sie. Das bedeute, dass man gemeinsam eine Familie gründe und sich in gemeinsamer Sorge um die Kinder kümmere. „Diese Strukturen bremsen aus und sie betreffen Männer und Frauen gleichermaßen.“ Rund 21 Prozent, so Omran, beträgt der Lohnunterschied zu Lasten der Frauen.

Dass Frauen kaum in Führungspositionen großer Konzerne anzutreffen seien, dass Altersarmut meist Frauen treffe oder dass Frauen sexuelle Übergriffe im öffentlichen Raum fürchten müssten, alles dies sind Themen, mit denen sich Frauen wie Omran und Straub auseinandersetzen. Beide werden unterstützt von Gremien wie dem Frauenbeirat in Filderstadt, der direkt vom Gemeinderat eingesetzt wird, und dem Frauenrat in Esslingen, der von 54 Organisationen gespeist wird.

Demnächst wird es eine weitere Stelle zur Chancengleichheit im Landkreis Esslingen geben. Laut Gesetz vom Februar 2016 müssen Kommunen mit mehr als 50 000 Einwohnern eine solche Stelle einrichten.

Das betrifft auch den Landkreis Esslingen. Ein Jahr hat der Gesetzgeber den Kommunen eingeräumt, die Vorgabe umzusetzen. „Die Stelle ist jetzt ausgeschrieben und wird sobald wie möglich besetzt“, erklärt Landkreis-Pressesprecher Peter Keck auf Nachfrage des Wochenblatts ECHO. Andere Landkreise wie Reutlingen haben die Vorgaben bereits umgesetzt. Auch kleinere Städte wie beispielsweise Fellbach „leisten“ sich eine Gleichstellungsbeauftragte. In Städten und Gemeinden mit weniger als 50 000 Einwohnern ist jeweils eine Person oder Organisationseinheit zu benennen, die Aufgaben der fachlichen und inhaltlichen Begleitung wahrnimmt. So liegen in Ostfildern solche Themen bei Manuela Kreuzer, der persönlichen Referentin des Oberbürgermeisters, auf dem Tisch – allerdings schon seit Jahren. Wern­au wiederum hat die Gleichstellungsfrage im Personalamt bei dessen Leiterin Iris Pöschlke und ihren Mitarbeiterinnen angesiedelt.

Vielerorts ist der Frauentag Anlass für entsprechende Veranstaltungen. In Esslingen lautet das Motto „FrauenWelten“. Dahinter steht die Idee, innerhalb von 16 Tagen das Thema Frauen in der Welt in unterschiedlichsten Facetten zu beleuchten. 31 Veranstaltungen setzen sich in Vorträgen, Workshops und Seminaren mit dem Thema auseinander. Die Frauenwochen beginnen mit einem Frauenfest am 8. März im Mütterzentrum, das sich an Frauen aus unterschiedlichen Ländern richtet. Ausdrücklich sind geflüchtete Frauen mit ihren Kindern eingeladen. Frauenrollen in der Türkei, Militärdienst in Israel, die seltene Möglichkeit für Mädchen, in Ghana eine Flugschule zu besuchen, konfrontieren mit unterschiedlichen Lebensrealitäten.

Einen Blick in die Geschichte wirft der Film „Suffragette“, der den Kampf um das Wahlrecht der Frauen, um Würde und Selbstbestimmung am Beispiel einer Textilarbeiterin aufzeigt. Die Lesung „Astern im Frost“ erzählt von Frauenleben am Rand der Schwäbischen Alb zur Zeit des Ersten Weltkriegs.

Referentinnen sprechen über die Geschichte des Feminismus und den Kampf um körperliche und sexuelle Selbstbestimmung, über weibliche Moral, über Altersarmut, über Lohn- und Rentendifferenzen von Frauen und Männern.  Es geht auch um Hilfen für Alleinerziehende, Selbstbehauptungskurse für Mütter und Töchter, Sport und Training. Ein kultureller Höhepunkt ist das Frauenkabarett „Frauengold“ mit dem neuen Programm „Mit Glanz und Gloria“.

In Filderstadt wird der 8. März mit einer Lesung begangen. Ab 20 Uhr spricht Renate Daimler in der Stadtbibliothek über „Die Lust am Älterwerden“.

In Kirchheim lädt das Frauenhaus Kirchheim um 19 Uhr in die Aula der Alleenschule in der Jahnstraße ein. Die Fotoausstellung „Irans Herz schlägt“, eine Dokumentation der Menschenrechtsarbeit von Frauen im Iran, wird eröffnet. Außerdem berichtet die Menschenrechtsaktivistin Padmi Liyanage aus Sri Lanka.

Zum Internationalen Frauentag lädt der Landkreis Esslingen zu einem Baumschnittkurs extra für Frauen im Freilichtmuseum Beuren ein.

Der Frauentag hat in Deutschland zum ersten Mal 1911 stattgefunden. Initiatorinnen waren Clara Zetkin und Rosa Luxemburg. 99 Jahre später, im Jahr 2010, plädierte Alice Schwarzer für eine komplette Streichung des Tages: „Schaffen wir ihn ab, diesen gönnerhaften 8. März. Und machen wir aus dem einen Frauentag im Jahr 365 Tage für Menschen, Frauen wie Männer.“          bob / Foto: dpa

 

Info: Esslingen, www.esslingen.de/frauenwochen, Filderstadt: www.filderstadt.de/start, auf internationaler Frauentag klicken, Kirchheim: www.frauenhaus-kirchheim.de/aktuell

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Vor fünf Jahren ist die verbindliche Grundschulempfehlung
abgeschafft worden. Hat sich die damit einhergehende größere
Freiheit der Eltern bei der Schulwahl für die Kinder bewährt?

Foto: dpa

Große Freiheit?

Ergebnis

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„Gesundes Essen muss schmecken“

Interview mit Ernährungsberaterin Hanna Ritter – Saisonal und regional schlägt bio – Unverträglichkeiten mit Diagnose absichern

Was ist gutes Essen? Wie ernährt sich der Mensch gesund? Angesichts zahlreicher immer neuer Trends an Ernährung ist es nicht einfach, den Überblick zu behalten.  Das Wochenblatt ECHO hat sich zum Tag der gesunden Ernährung am 7. März mit  der Ernährungsberaterin Hanna Ritter unterhalten.

Frau Ritter, was frühstücken Sie morgens am liebsten?
Ritter: Yoghurt und Obst und manchmal mit etwas Haferflocken dazu.

Weil es gesund ist oder weil es Ihnen gut schmeckt?
Ritter: Natürlich, weil mir dieses Frühstück schmeckt. Das ist ein Grundprinzip in meinen Beratungen: Gesund allein reicht nicht, es muss auch schmecken. Die Auswahl an gesunden Lebensmitteln ist riesig, sodass jeder das für ihn beste Essen zusammenstellen kann.

In den vergangenen Jahren jagt ein Ernährungstrend den anderen, zum Teil mit widersprüchlichen Aussagen. Gibt es noch so etwas wie eine goldene Regel, an die wir uns halten können, wenn wir uns richtig ernähren wollen?
Ritter: Ja, das gibt es in der Tat. In einer gesunden Ernährung gibt es zwei Hauptsäulen: Zum einen sollte der Schwerpunkt auf Obst und Gemüse liegen, zum zweiten muss auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. Das bedeutet, dass in der Regel 1,5 bis zwei Liter kalorienarme oder  kalorienfreie Getränke konsumiert werden sollen.  Das muss nicht immer Wasser sein, gute Alternativen sind Saftschorle im Verhältnis 1:4 oder Kräutertees. Ansonsten stehen Vollkornprodukte auf dem Speiseplan, Proteine kommen weniger vor und Fett und Zucker sollten sehr sparsam verwendet werden.

Verschiedene Lebensmittel sind in Misskredit geraten. Wie gehen wir damit richtig um? Salz zum Beispiel.
Ritter: Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, fünf bis sechs Gramm Salz pro Tag nicht zu überschreiten. Wir müssen uns jedoch darüber im Klaren sein, dass wir das meiste Salz über Brot, Wurst und Käse aufnehmen. Das können wir leider nicht beeinflussen. Daher sollten wir bei Tisch nicht noch zusätzlich nachsalzen. Erfreulicherweise gibt es mit Metzgern und Bäckern mittlerweile Konsens darüber, die Salzzugaben schrittweise zu verringern.

Zucker hat auch einen schlechten Ruf.
Ritter: Zucker ist auch so ein Stoff, der sich durch die Hintertür einschleicht. Zum einen steht der Zuckergehalt auf der Nährwertkennzeichnung verschiedener Lebensmittel. Sie sollten also immer das Produkt wählen, das den niedrigsten Zuckergehalt hat. Aber Vorsicht: Nehmen Sie beispielsweise Müsli. Zucker erscheint dort auch als Glukose, Fruktose oder als Glukose- und Fruktosesirup. In Gramm bedeutet das: 50 Gramm Zucker am Tag sollten nicht überschritten werden, die WHO spricht sogar von 20 bis 30 Gramm am Tag. Das halte ich jedoch für unrealistisch.

Gutes Fett, schlechtes Fett? Wie machen wir es richtig?
Ritter: Da gilt eine Faustregel: Grundsätzlich soll Fett nicht mehr als 30 Prozent bei der täglichen Ernährung ausmachen. Die gesättigten Fette vermeiden wir lieber und nehmen die ungesättigten zu uns. Gesättigte Fette finden wir in Milchprodukten, Fleisch und Wurstwaren. Gesündere ungesättigte beispielsweise in kaltgepressten Ölen oder Seefisch.

Wie halten wir es mit dem Fleisch?
Ritter: Ziehen Sie weißes Fleisch dem roten vor, weil das helle magerer ist. Eine ebenso große Rolle spielt die Herkunft des Fleisches. Achten Sie auf eine artgerechte Haltung. Dann können Sie sicher sein, dass die Tiere mit kleineren medikamentösen Dosen  aufgewachsen sind, was sich auf die Qualität des Fleisches auswirkt. Also lieber weniger, dafür besseres Fleisch essen.

Vegane Ernährung liegt stark im Trend. Ist das aus Ihrer Sicht die gesündere Art zu essen?
Ritter: Was ich an der veganen Ernährung sehr positiv bewerte, ist der hohe Anteil an Gemüse und Obst. Wer sich so ernährt, sollte sich aber gut auskennen, sonst könnte Mangel entstehen: Vegane Esser müssen auf einen ausreichenden Spiegel an Vi­tamin B12, Kalzium und Eiweiß achten. Da sollte man regelmäßig die Blutwerte beim Arzt checken lassen. Meiner Erfahrung nach ernähren sich Veganer aber sehr bewusst und wissen Bescheid. Für Kinder, Heranwachsende und Schwangere halte ich die vegane Ernährung aber für ungeeignet.

Wie wichtig sind Bio-Produkte?
Ritter: Mit dem Bio-Siegel haben wir durch seine strengen Reglementierungen einen Garanten für Qualität, ohne Frage. Meiner Erfahrung nach schätzen die Verbraucher hierzulande jedoch die Regionalität höher als das Bio-Siegel. Und natürlich: Kaufe ich Produkte, die hier vor der Tür erzeugt worden sind, habe ich volle Reifung, den vollen Vitamin- und Mineralgehalt, da nichts nachreifen muss. Unter diesem Aspekt lohnt es sich auch, saisonal einzukaufen. Das heißt zum Beispiel: keine Erdbeeren an Weihnachten.

Bio einzukaufen bedeutet ja auch zuweilen recht teuer einzukaufen?
Ritter: Das ist allerdings ein Argument. Wem diese Preise zu hoch sind – ich denke da beispielsweise an eine vier- oder fünfköpfige Familie –, der soll dann doch lieber auf Obst und Gemüse aus konventionellem Anbau zurückgreifen, bevor er ganz auf diese Produkte verzichtet.

Es gibt lactosefrei, glutenfrei . . . ? Ein überflüssiger Hype oder wie sinnvoll ist „Frei von“?
Ritter: Für Menschen, die diese Lebensmittel benötigen, sind sie wichtig und wertvoll, für Menschen ohne Unverträglichkeiten sind sie unsinnig. Ich beobachte, dass Menschen sich vorsorglich lactose- oder glutenfrei ernähren. Das ist sehr ungünstig. Ein Beispiel: Wer Lactose verdauen kann, also über genügend Spaltenzym Lactase im Körper verfügt, sich dann aber lactosefrei ernährt, signalisiert seinem Körper: „Das Enzym Lactase wird nicht benötigt. Du brauchst es nicht mehr bereitzustellen.“ So kann man eine Lactoseintoleranz erzeugen. Nun sind Begleiterscheinung der Lactoseintoleranz mit Blähungen und Durchfall zwar lästig, aber nicht schädlich, anders sieht es bei der Glutenunverträglichkeit aus. Zum einen ist die Diagnose nicht einfach. Dabei wird nach Antikörpern geschaut, die unter einer glutenfreien Ernährung zurückgehen. Aber: Gluten ist ein guter Stoff, er „füttert“ gute Darmkeime. Außerdem  sind glutenfreie Getreide ballaststoffarm. Also: Nur bei sicherer Diagnose auf Gluten verzichten.

Kann man gut essen lernen?
Ritter: Ja. Kinder sind von Natur aus neugierig und offen. Wir sollten in unseren Bildungseinrichtungen an das Thema Nahrung und Nahrungszubereitung gehen. Starten sollte das im Kindergarten, und das Schulfach Kochen ist längst überfällig.        bob

Foto: privat

 

Neue Technik kostet

Herkömmliches Antennen-Fernsehen vor dem Aus – Nutzer müssen investieren

Bis zum 29. März müssen Antennen-Nutzer auf eine andere Fernsehübertragungstechnik wechseln. Sie nutzen dann statt der bisherigen DVB-Technik künftig DVB-T2 HD, was brillantere Bilder in HD-Qualität verspricht. Allerdings wird es auch teuer. Antennenschauer müssen Decoder oder Receiver für ältere Geräte kaufen und das bislang freie Privatfernsehen kostet künftig Geld.

DVB-T steht für „Digital Video Broadcasting – Terrestrial“ und bezeichnet die Technik, Fernsehprogramme über Antenne zu empfangen. Das sind immerhin rund 3,4 Millionen Haushalte in Deutschland. Das neue digitale Antennenfernsehen DVB-T2 kann im Gegensatz zum alten Standard auch Programme in hoher Auflösung (HD) ausstrahlen. Es bietet zudem eine größere Programmvielfalt und soll einen besseren mobilen Empfang ermöglichen. Allerdings sind alter und neuer Standard nicht kompatibel. „Sie benötigen definitiv ein neues TV-Gerät oder einen Decoder“, erklärt Hans-Dieter Burkard vom gleichnamigen Radio- und Fernsehgeschäft in Esslingen. Noch etwas ändert sich: Privatsender sollen über diesen Weg ab Mitte des Jahres Geld kosten – etwa 69 Euro im Jahr, nach drei ersten Monaten kostenlosen Empfangs. Allerdings sollen die Privatsender dann auch in allen Regionen empfangbar sein. Damit nur zahlende Kunden die Privaten sehen können, verschlüsseln die Sender ihre Programme. Wem das alles zu aufwendig ist, muss sich einen anderen Empfangsweg suchen. Zum Beispiel auf Kabel umstellen oder auf die Satellitenschüssel.

Hans-Dieter Burkard sieht die Umstellung sehr kritisch. „Der Wechsel kam viel zu kurzfristig“, moniert er. Erst Ende des vergangenen Jahres sei die geplante Umstellung bekannt geworden. Die Folge seien enttäuschte Kunden, wie Burkhard sagt: „Da haben etliche Leute im vergangenen Jahr einen schönen neuen Flachbildschirm gekauft, der jetzt ohne Receiver nicht mehr taugt.“

Burkard hätte sich einen Zuschuss für die Kunden gewünscht. Der Beratungsbedarf ist offenbar groß: Bei Burkard ist ein Mitarbeiter abgestellt, der sich nur um das Thema DVB-T2 HD kümmert. Einfache Empfangsboxen für DVB-T2 sind zwar im Einzelhandel ab rund 30 Euro zu haben. Aber es gibt auch Fallen.

Die Schweiz zum Beispiel hat schon vor anderthalb Jahren auf das neue Format umgestellt. T2-Gerät, die Nutzer aus der Schweiz mitgebracht haben, funktionieren in Deutschland jedoch nicht. Burkard rät, auf die Zusatzbezeichnung zu achten. Ein taugliches TV-Gerät oder ein Receiver muss die Kennung H 2-65 tragen und nicht H 2-64 wie in der Schweiz.

Die Umstellung hat einen Grund: Bis zum Jahr 2018 soll es in Deutschland flächendeckend schnelles Internet geben. Dazu braucht es freie TV-Frequenzen, die die Nutzer des  Antennenfernsehens, des sogenannten Überall-TVs, jetzt räumen sollen.                 bob

Foto: dpa