Was suchen Sie?

Abgestimmt!

RSS Nachrichten aus dem Kreis

Echo-Artikel-Kalender

Juni 2017
M D M D F S S
« Mai    
 1234
567891011
12131415161718
19202122232425
2627282930  

Bauen & Wohnen

Jetzt für 5.7.17 buchen!

Ausbildungsbetriebe stellen sich vor

Jetzt für 27.9.17 buchen!
Jetzt für 22.11.17 buchen!

Lebensgefühl-Messe 2017

Erschienen am 22.03.2017

Aktiva-Messe 2016

Für weitere Infos auf das Bild klicken

Aktuelles ePaper

Neueste Beiträge

Indikator für gesunde Streuobstwiesen

135 Steinkäuze im Landkreis Esslingen – Nabu pflegt Jungvögel – Beringungsaktion am Freitag – Förderbescheide des Ministeriums

 

Der Steinkauz gilt als bedrohte Tierart. Seine Lebensgrundlage, Landschaften wie Streuobstwiesen, gehen immer weiter zurück. Seit 41 Jahren kümmert sich die Artenschutzgruppe Steinkauz Köngen-Wendlingen im Nabu Kreis Esslingen um die kleine Eulenart. Die Population der Vögel im Landkreis Esslingen hat sich seitdem von ein paar wenigen Exemplaren auf 135 vergrößert. In der vergangenen Woche hatte die Aktionsgruppe zu einer Beringungsaktion nach Wendlingen eingeladen.
Auch der Esslinger Landrat Heinz Eininger und seine Stellvertreterin, Erste Landesbeamtin Marion Leuze-Mohr, waren gekommen. Im Gepäck hatten sie die Förderbescheide des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz über einen Betrag von 3045 Euro. Damit können die Vogelschützer um den Gründer der Gruppe, Dieter Schneider, einen Teil ihrer Aktivitäten finanzieren. Dazu gehört der Bau von Niströhren, die die Nabu-Leute in den Bäumen von Streuobstwiesen aufhängen. Sie sind mit extra verschmälerten Eingängen ausgestattet, damit Marder sich nicht reinzwängen und die Jungvögel reißen können. Ebenso gehören die Kontrollen der Niströhren, deren Reinigung sowie das Monitoring und die Dokumentation des Bestands zu den Arbeiten der Gruppe. Öffentlich machen die Vogelschützer das sogenannte Verhören der Vögel, bei dem mit Lockrufen die Vögel zum Antworten animiert werden, und eben das Beringen.
Drei junge Käuze sind es diesmal: Kleine gefiederte Kerlchen, so groß wie eine Hand, klappern mit dem gebogenen Schnabel, als Dieter Schneider sie gekonnt aus der Röhre in die Hand nimmt. „Angst hat der kleine Vogel nicht“, versichert Schneider. „Er hat ja noch keinen Begriff von Gefahr.“ Aber er ärgert sich über die Störung, legt sich auf den Rücken, gibt Unmutsgeräusche von sich und streckt die Krallen angriffslustig in die Höhe.
Dieter Schneider packt die Beinchen, hält eines fest, legt den markierten Ring darum und drückt ihn mit einer Zange sanft zusammen. Jetzt ist der Vogel mit dem Ring ausgestattet, der eine Art Ausweis für das Tier darstellt und Informationen über Herkunft und Alter gibt. Dann wird der Jungvogel vermessen und gewogen: 120 Gramm bringt das 20 Tage alte Kauzküken auf die Waage. Schneider nickt zufrieden, als er auch das Brustbein des Jungkauzes abtastet: „Ein gesundes und sehr gut entwickeltes Exemplar.“
Im gesamten Landkreis gibt es derzeit nach neuen Zählungen wieder 135 junge Käuze. So wie in der Ortsgruppe Köngen-Wendlingen, die auch in Jesingen, Dettingen, Nabern und Oberboihingen aktiv ist, arbeiten drei weitere Gruppen im Neckartal, auf den Fildern und auf dem Schurwald für den Kauzbestand. Rund 300 Stunden im Jahr investiert die Köngener Gruppe, 120 Niströhren hängen in ihrem Gebiet.
Den kleinen Eulenarten kommt auch zugute, dass das Bewusstsein für die Pflege alter Kulturlandschaften wie der Streuobstwiesen wieder gewachsen ist. Und es ist ein wechselseitiger Nutzen: „Ein Kauzbe­stand ist auch immer ein Indikator für eine intakte Streuobstwiese, und ohne Biotopschutz gibt es keinen Artenschutz“, sagt Schneider, der sich vom Landrat wünschte, dass man Streuobstwiesenbesitzer stärker unterstützen möge. Zum Beispiel mit dem Bezahlen eines ordentlichen Preises für ihre Äpfel. bob

Info: Zu einem öffentlichen Beringen lädt die Gruppe Köngen-Wendlingen am Freitag, 23. Juni, 18 Uhr, ein. Der Treffpunkt ist am Friedhof in Köngen (www.nabu-kreis-es.de).

Abgestimmt

Der verstorbene Altkanzler Kohl, dessen Namen für die
Wiedervereinigung aber auch für die Spendenaffäre steht,
soll mit einem europäischen Staatsakt geehrt werden.
Hat er das verdient?


Foto: dpa

Staatsakt für Kohl?

Ergebnis

Loading ... Loading ...

Es geht immer mehr als man denkt

Gesundheitsförderungsprogramm Gorilla macht Station an Esslinger Rohräckerschule – Bewegung, gesundes Essen und Nachhaltigkeit

Was ist heutzutage bei Jungen und Mädchen cool: hochwertiges Essen, Bewegung und Sport, ein von Nachhaltigkeit geprägtes Leben? Eher nicht. Es sei denn, die Leute vom Projekt Gorilla bringen diese Werte den jungen Menschen nahe. So wie kürzlich in der Rohräckerschule in Esslingen, wo die Stiftung mit ihrem gemeinnützigen Sport- und Pädagogikprogramm Station gemacht hat.

Freestyle-Sportarten wie Footbag, Frisbee, Skateboard, Breakdance und Biken für behinderte und nicht behinderte Schüler hat Gorilla im Programm, ebenso leckeres nahrhaftes Essen. Acht Coaches, darunter etliche deutsche und internationale Meister ihres Fachs, haben ihre Ideen, ihr Wissen und Können den rund 120 Schülern der Rohräckerschule und der Zollberg-Realschule vermittelt. Und das alles ohne den erhobenen Zeigefinger, sondern lässig und selbstverständlich auf Augenhöhe.

„Wir leben das, was wir weitergeben“, sagt Rosalie Kubny, die ein gesundes Frühstücksbüfett für die Jungen und Mädchen gerichtet hat – mit Getreideflocken, Nüssen, und frischem Obst. „Viele Kinder kennen ein Frühstück gar nicht“, hat Kubny, Tanzpädagogin sowie Friedens- und Konfliktforscherin, registriert. Letztlich ist sie zufrieden. Der lange Tisch mit dem Essen war am Ende fast ganz leer gefegt. Die Kinder hätten sich auch an Lebensmittel getraut, die sie nicht gekannt haben, wie an Hafer- und Mandelmilch beispielsweise. Manch einer habe nach Zucker gefragt und sei dann auch mit Honig und Agavendick­saft recht zufrieden gewesen. Aber auch Kubnys Begeisterung für gesundes Essen mag die Schüler überzeugt haben. Kubny: „Wir Coaches müssen Vorbilder sein.“

Nach dem Frühstück standen verschiedene  Workshops auf dem Programm: Frisbee werfen, Skaten, Longboarden, Breakdancen, Rollstuhl-Skaten  und anderes mehr. Die rund 120 Fünft- bis Siebtklässler klettern am Container hoch, springen parkourgemäß über Hindernisse, drehen Moves auf dem Boden oder beschleunigen ihren Rollstuhl die Rampe hoch.  „Es geht immer mehr als du denkst“,  ist das Credo von David Lebuser. Er und seine Partnerin Lisa Schmidt sind Begründer des Sit‘n‘skate – skaten im Rollstuhl also.

„Es geht Gorilla um Bewegung, gesundes Essen und um Inklusion“, erklärt Tobias Kupfer, der Gorilla Deutschland nach einem Schweizer Vorbild gegründet hat. Der 41-jährige Vater von fünf Kindern ist mehrfacher Weltmeister im Streetskating und damit der coole Typ, der junge Leute motivieren kann. Er kann den Kids nahebringen, dass es sich lohnt, eine „Challenge“ anzunehmen, auch wenn man Rückschläge erleidet.

„Verletzungen, Schrammen, Schmerzen sind Begleiterscheinungen im Leben, nicht nur beim Skaten“, sagt Kupfer, der in der Skater-Szene unter seinem Künstlernamen Albertross bekannt ist. So könnten junge Menschen zu selbstsicheren und bewussten Erwachsenen werden, die Verantwortung für sich und den Planeten übernehmen. Kupfers eigene Geschichte eignet sich überdies auch gut als Rollenmodell. In der DDR begann er als Neunjähriger, inspiriert von einem heimlich angeschauten West-Fernsehfilm über das Skaten, mit dem Sport. Der Vater baute ihm aus einem Brett und ein paar Rollschuhen ein Board, auf dem der Junge übte. Bis zu zehn Stunden am Tag. Nach der Wende ging er in die USA, nannte sich Albertross und gewann die wichtigsten Wettbewerbe.

Und wenn Kupfer mit dem grün-schwarzen Rucksack und der schwarzen Trinkflasche mit dem Gorilla-Emblem über den Schulhof schlendert, dann hat er die Kids im Schlepptau. „Der hat‘s drauf“, raunt ein Junge seinem Freund zu. Und versucht es selbst auf dem Brett.

Vor drei Jahren ist das Projekt  Gorilla in der Johannes-Wagner-Schule in Nürtingen gestartet – gecoacht vom Schweizer „Gorilla“ Roger Grolimund. Schirmherr war Matthias Berg, mehrfacher Paralympics-Goldmedaillengewinner und damals noch stellvertretender Landrat im Kreis Esslingen. Berg war auch auf dem Zollberg dabei und er ist von der Aktion überzeugt: „Sport ist das perfekte Mittel, um Verbindungen unter Menschen herzustellen.“ Und ihm habe der Sport so manche Tür geöffnet.

Die Rektorin der Rohräckerschule, Claudia Schmidt, ist sicher, dass die Gorillas bei ihren Schülern ankommen: „Es ist immer besser, wenn so eine Anregung von außen kommt, wenn junge Sportler unseren Kids etwas vormachen“, sagt sie. Und Freestylesport begeistere mehr als herkömmliche Sportarten.

Ob das Gorilla-Prinzip wirkt, überprüfen Kupfer und seine Kollegen und sehen sich bestätigt. „Es funktioniert“, sagt Kupfer. „An den Schulen, an denen wir waren, bleiben mehr Kids beim Sport. Und die Frage nach dem gesunden Essen tragen sie in ihre Familien.“  bob / Foto: dpa

 

Info: www.gorilladeutschland.de

Abgestimmt

Um Spanner zu stoppen, verbieten manche Freibäder das Handy-Fotografieren.
Kritiker sagen, man kann das nicht kontrollieren. Was sagen Sie? Handys in Bädern ganz verbieten?


Foto: dpa

Handyverbot im Freibad?

Ergebnis

Loading ... Loading ...

Zentral statt lokal

Grundbuchamt für den Landkreis nun in Böblingen – Einsichtsstellen in Gemeinden

Mit der  Neuordnung des Grundbuchwesens in Baden-Württemberg werden Grundbuchämter geschlossen und deren Arbeit auf 13 Amtsgerichte übertragen. Für den Landkreis Esslingen ist jetzt das Amtsgericht Böblingen zuständig, das dafür sein Personal von 20 auf 150 Mitarbeiter aufstockt. Online sollen dort Abfragen getätigt werden können, Auszüge kommen per Post.

Etliche Gemeinden unterhalten weiterhin sogenannte Grundbucheinsichtsstellen als kommunale Freiwilligkeitsleistung. Gedacht ist das Angebot für Menschen, die mit dem Internet nicht so gut umgehen können – Ältere zum Beispiel. Das ist recht aufwendig, wie Laura Himmelsbach, die Leiterin der Abteilung Immobilien im Baudezernat der Stadt Ostfildern, schildert. Vor der Reform gab es dort zwei Grundbuchstellen, eine in Ruit, eine in Nellingen. „Man benötigt Räumlichkeiten, Personal und Sprechzeiten“, sagt Himmelsbach. Das Führen einer Einsichtsstelle ist ausschließlich einem sogenannten Ratsschreiber gestattet. „Ein Mitarbeiter muss dafür speziell geschult werden“, erklärt Himmelsbach. Es gibt in Ostfildern nur einen Ratsschreiber, also kann die Abteilung nur einen Vormittag in der Woche die Grundbucheinsicht anbieten. Ein zweiter Ratsschreiber werde nicht genehmigt, so Himmelsbach. Derzeit wird ein Stellvertreter geschult.

Es ist nicht nur das Übermaß an Bürokratie, das die Amtsleiterin kritisiert, sondern auch die Kosten für das „bürgernahe“ Angebot. Zwar würde das Land eine beglaubigte Urkunde mit fünf Euro entgelten, doch laut Himmelsbach seien das die wenigsten Anforderungen an die Stelle.

Mit Bürgernähe tun sich die kleineren Kommunen offenbar leichter als die größeren. Bis auf Ostfildern bieten die großen Kreisstädte den Service nicht an.  „Wir haben das im Gemeinderat diskutiert, aus Kostengründen aber abgelehnt“, sagt Birgit Strohbach, die Leiterin der Stadtkämmerei Esslingen. „Das Land wälzt hier die Kosten auf die Kommunen ab.“ Außerdem biete das Amtsgericht Böblingen den Nutzern einen schnellen Onlinezugang und die rasche Zusendung eines Auszugs. Dass sich kleinere Gemeinden leichter tun, Einsichtsstellen zu unterhalten, kann Strohbach nachvollziehen. „Dort gibt es weniger Grundstücksangelegenheiten.“ Nicht jeder ist so optimistisch. Hermann Falch, der Vorstand des Vereins Haus und Grund in Esslingen, befürchtet, dass Grundbuchsachen für die Bürger umständlicher werden und die Bearbeitung länger dauert. „Wir bedauern, dass der Service für den Bürger wegfällt“, sagt er.

In Württemberg übernehmen sieben zentrale Grundbuchämter bei Amtsgerichten die Grundbuchangelegenheiten. Derzeit werden alle Grundbuchunterlagen digitalisiert. Die Papierakten lagern zentral in Kornwestheim.  bob / Foto: dpa

 

Info: Nach einer Einsichtsstelle fragt man bei einer Gemeinde direkt nach oder schaut unter www.grundbuch-bw.de nach. Unter www.amtsgericht-boeblingen.de lassen sich Anfrageformulare herunterladen.

Kämpfer für Gleichwertigkeit

Landesverdienstorden für Christian Stürmer – Gerechtigkeit für Conterganopfer erstritten

Seit Jahren schon kämpft Christian Stürmer aus Ostfildern für die Gleichberechtigung von Menschen mit einem Handicap. Als Contergan-Geschädigter hat er das Contergan-Netzwerk Deutschland aufgebaut und in zäher Arbeit eine gerechte Entschädigung für die noch lebenden Opfer des Skandals erstritten. Als Vorsitzender des Netzwerks „Chancen für alle – Menschen mit und ohne Behinderung“ der CDU Baden-Württemberg setzt er sich für den unterschiedslos gleichwertigen Umgang mit anderen ein – analog der UN-Menschenrechtskonvention. Für sein Engagement wurde er Anfang Mai mit dem Landesverdienstorden geehrt.

„Es war ein langer und anstrengender Kampf, aber er hat sich gelohnt“, sagt Christian Stürmer. Der 55 Jahre alte Jurist aus Ostfildern ist eines der geschätzt bis zu 10 000 Opfer des Arzneimittels Contergan, das seine Mutter während ihrer Schwangerschaft eingenommen hatte. Anders als viele Contergan-opfer war Stürmer nicht auf Assistenz angewiesen. Gemeinsam mit seiner Partnerin baute er einen Kaffeevertrieb auf, den er aber wegen der körperlichen Belastung aufgeben musste. Während seines Jurastudiums kam er mit etlichen weiteren Conterganopfern in Kontakt und begann, den Fall rechtshistorisch aufzuarbeiten.

Was er zusammenstellte, war erschreckend. Das verantwortliche Pharmaunternehmen Grünenthal hatte sich in einem gerichtlichen Vergleich verpflichtet, 100 Millionen Mark in eine Stiftung zur Entschädigung der Opfer einzuzahlen. „Damit haben die sich gleichzeitig von aller Verantwortung freigekauft und waren draußen“, sagt Stürmer. Die Entschädigungen in Form von Renten waren mit 121 bis maximal 545 Euro kaum nennenswert. „Wir wurden mit einem Butterbrot abgespeist und zu den Sozialämtern geschickt. Die Menschen waren schlicht allein gelassen. Wir haben 50 Jahre lang gelitten, ohne Unterstützung“, stellt Stürmer fest.

Im Jahr 2008 gründete Stürmer das Contergan-Netzwerk. Dank guter Kontakte auf landes- und bundespolitischer Ebene und mit zäher Überzeugungsarbeit gelang es ihm und seinen Mitstreitern schließlich, mit einer Gesetzesänderung gerechte Unterstützungszahlungen zu erlangen. „Damit hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Der Staat hat sich bei uns entschuldigt, nicht nur finanziell, sondern inhaltlich. Und gleichzeitig habe ich festgestellt, dass man auf politischer Ebene etwas für diejenigen bewirken kann, die es selbst nicht können“, sagt Christian Stürmer.

Das will er weiterhin tun. „Die UN-Menschenrechtskonvention macht keinen Unterschied zwischen Behinderten und Nichtbehinderten. Es geht darum, die Gleichwertigkeit aller anzuerkennen und als gesellschaftlichen Grundkonsens zu betrachten“, stellt Stürmer fest. „Inklusion geschieht nur im Alltag.“

Zur Demonstration, dass alle Menschen, behindert oder nicht, den gleichen Anspruch etwa auf angemessenes Wohnen haben, lassen er und seine Partnerin derzeit ihr Haus komplett barrierefrei umbauen. Der Umbau wird von einer Filmproduktionsfirma begleitet. „Das soll durchaus öffentlich werden und auch zeigen, dass sich ein Behinderter nicht mit ein bisschen Teilhabe oder abgesenkten Bordsteinen zufrieden geben soll. Das ist Selbstreduktion und darin zeigt sich die fehlende Gleichwertigkeit“, macht er klar. Der alte Spruch „behindert ist man nicht, man wird es“ gelte eben weithin immer noch. Barrierefreiheit in allen Bereichen, das Bewusstsein, dass alle Menschen die gleiche Würde und die gleichen Rechte haben, müsse von Kindesbeinen an verankert werden. „Und dafür werde ich weiter streiten“, kündigt Christian Stürmer an.             pst / Foto: bul

Abgestimmt

Die Mitglieder des VfB Stuttgart haben beschlossen, die Fußball-Abteilung
in eine AG auszugliedern. Viel Geld soll dadurch fließen, manch Mitglied
befürchtet hingegen Einflussverlust. Ist die Ausgliederung der richtige Weg?


Foto: dpa

Der richtige Weg?

Ergebnis

Loading ... Loading ...

Geschichtsträchtig

Staatliche Schlösser und Gärten wollen Burg Hohenneuffen besser vermarkten

Hoch oben über dem Neuffener Tal thront sie: die Festung Hohenneuffen. Die Landesfestung der Württemberger ist wahrlich ein geschichtsträchtiger Ort. Nun wollen die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg die imposante Burg als Ausflugsdestination noch besser vermarkten.

Seit Anfang April untersteht die Festung am Albtrauf der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten (SSG). Und dort hat man große Pläne für die Burgruine. Mit einem überarbeiteten und erweiterten Programm möchten Geschäftsführer Michael Hörrmann und sein Team möglichst vielen Menschen zeigen, dass der Hohenneuffen mehr zu bieten hat als eine traumhafte Sicht auf das Umland bis hinunter nach Stuttgart. „Wir müssen neue Besuchsanlässe schaffen, die es für viele Menschen immer wieder attraktiv machen, diesen Ort immer wieder zu besuchen“, erläutert er.

Potenzial dürfte genug vorhanden sein: Die mächtige Festung hat mehr als 800 Jahre wechselvoller Geschichte zu bieten. Sie diente dem Haus Württemberg als Residenz und trotzte erfolgreich allen Erstürmungsversuchen. Auch in der jüngeren Landesgeschichte spielt die Festung eine wichtige Rolle: Dort tagte die Dreiländerkonferenz, bei der die Gründung Baden-Württembergs 1948 besiegelt wurde.

Bei der Ausarbeitung neuer Angebote will die SSG behutsam vorgehen. „Die Entwicklung soll maßgerecht und nachhaltig sein“, betont Hörrmann. Dabei setzt die Verwaltung besonders auf ein gutes Verhältnis und eine gute Zusammenarbeit mit dem Pächterpaar Axel und Erika Vetter. Bestehende Angebote sollen nicht gekippt werden.

Konkret plant die SSG unter anderem neue Informationsstationen auf dem Gelände der Festung. Die erhalten gebliebenen barocken Erdbefestigungen sollen wieder sichtbar und erlebbar gemacht werden. Weiter soll eine bessere Beschreibung der Anlage erscheinen, ebenso ein Kurzführer. Zudem soll das Angebot an Führungen ausgebaut werden.

Auch der Veranstaltungskalender soll wachsen. Eine Wiederbelebung des Mittelalter-Marktes auf der Festung schließt Janna Almeida, die zuständige Leiterin der Klosterverwaltung Bebenhausen, aus Sicherheitsgründen jedoch aus. „Die eingeschränkten Zugangswege machen es unmöglich, beim Hohenneuffen an Großereignisse zu denken“, erklärt sie. „Wir werden unsere Programme daher eher nach der Maxime ‚klein, aber fein‘ entwickeln“, sagt die Verwalterin.
mo / Foto: Mende

 

Info: Mehr zum Hohenneuffen findet sich unter www.festungsruine-hohenneuffen.de.

Neue Wege gehen

Land fördert neun Premiumwanderstrecken im Kreis – Impulse für lokale Wirtschaft prognostiziert

Insgesamt 21 Wanderwege in der Region Mittlere Alb und im Biosphärengebiet Schwäbische Alb werden sich künftig mit dem Qualitätssiegel Premiumwanderweg schmücken. Neun von ihnen liegen im Landkreis Esslingen. Der baden-württembergische Tourismusminister Guido Wolf hat kürzlich dem Esslinger Landrat Heinz Eininger und seinem Reutlinger Amtskollegen Thomas Reumann bei einem Vor-Ort-Termin am Kunstwerk Hülbener Brille direkt am Albtrauf eine Förderzusage des Landes überbracht. Demnach bezuschusst das Land die Beschilderung, die Ausstattung mit Sitzbänken und die Zertifizierung der Wege mit 228 000 Euro und damit 50 Prozent der anfallenden Kosten. Die beteiligten Kommunen werden zwar teilweise beachtliche Summen beisteuern müssen, der Kreis setzt jedoch auf eine Ankurbelung der lokalen Wertschöpfung.

Die Wanderregion der Mittleren Alb bietet mit dem Unesco-Biosphärengebiet und dem Albtrauf mit etlichen Aussichtsplattformen, schroffen Steilhängen und Schluchten, weiten Kuppenlandschaften und tiefen Wäldern ein beliebtes Ziel für Tages- und Wochenendbesucher. Doch nach den Erkenntnissen von Tourismusexperten haben sich deren Ansprüche stark geändert. Zwar nehmen nach den Zahlen des Deutschen Wanderinstituts rund 50 Prozent der Deutschen regelmäßig längere Strecken unter die Sohlen der Wanderschuhe, doch beschauliche Landschaften allein oder auch die spannenden Erlebnisse auf manchmal unmarkierten Pfaden sind nur noch selten in ihrem Sinn. So haben Forschungen des Wanderinstituts ergeben, dass die Mehrzahl der Wanderer überschaubare Streckenführungen, abgesicherte Erlebnisqualität und eine moderne Infrastruktur schätzt.

Nach dem Vorbild anderer deutscher Wandergebiete setzt nun die Region der Mittleren Alb mit der Einrichtung von Premiumwanderwegen darauf, diesem Trend Rechnung zu tragen, den Wandertourismus zu entwickeln und damit nicht zuletzt auch regionales Wirtschaftswachstum zu generieren. In einer von den Landkreisen Esslingen und Reutlingen, dem Biosphärengebiet Schwäbische Alb, der Tourismusgemeinschaft Mythos Schwäbische Alb und einigen anderen Partnern getragenen Projektgruppe wurde eine Wanderkonzeption für die Region entwickelt. Ähnlich wie rund um Bad Urach, an der oberen Donau oder bei Albstadt sollen Wanderwege ausgewiesen werden, die besonders für Genusswanderer mit gehobenen Ansprüchen attraktiv sind und anhand einer langen Liste an Kriterien vom Deutschen Wanderinstitut zertifiziert werden. 21 Wege, die zwischen vier und maximal 14 Kilometer lang sind, wurden in der Region ausgewählt, neun von ihnen liegen im Landkreis Esslingen. Unter anderem sollen die Wege nicht asphaltiert sein und eine angemessene Breite aufweisen, sie müssen durchgängig gut und unmissverständlich beschildert, ohne Kartenstudium gehbar und nicht zu lang sein sowie nicht zuletzt natursensibel verlaufen.

Das alles kostet viel Geld. Die Beschilderung, die Möblierung und auch die Zertifizierung schlagen mit 456 000 Euro zu Buche. 228 000 Euro und damit 50 Prozent steuert das Land bei. „Wir haben etwas Besonderes zustande bekommen. Wir betreiben Förderung über die Grenzen der Kommunen und der Kreise hinweg und sind damit auch von der Kirchturmspolitik in der Tourismusentwicklung weggekommen“, sagte der baden-württembergische Tourismusminister Guido Wolf bei der Übergabe der Förderzusage des Landes an die Landräte der Kreise Esslingen und Reutlingen, Heinz Eininger und Thomas Reumann. Doch die Projektentwickler rannten nicht überall offene Türen ein. Denn die Kommunen, deren Gemarkung von den neuen Wegen berührt wird, müssen sich an den Kosten beteiligen. Pro Kilometer auf dem Gemarkungsgebiet werden 1000 Euro jährlich fällig, hinzu kommen pro Jahr 3800 Euro für die Vermarktung und 800 Euro pro Kilometer für die Wartung der Wege.

Angesichts der Kosten oder auch eigener Tourismuskonzepte haben daher etwa Weilheim, Neidlingen oder Dettingen eine Beteiligung abgelehnt, andere wie etwa Lenningen zögern noch und wollen zunächst prüfen, inwieweit die versprochene regionale und lokale Wertschöpfung tatsächlich eintreten könnte. Für Thomas Reumann und Heinz Eininger scheint dies ausgemacht. Die Förderung der Premiumwanderwege setze „ein dickes Ausrufezeichen hinter die Region Mittlere Alb und ihre Zukunftsfähigkeit“, sagte Reumann. Eininger betonte, dass mit den neuen Wegen eine nachhaltige Entwicklung für die Natur, das Biosphärengebiet und auch die Kommunen angeschoben werde. So soll das Marketing dafür im Sinne einer umweltschonenden Besucherlenkung gestaltet werden. „Das löst wiederum Impulse in den Kommunen aus. Daher ist das Geld, das wir vom Land bekommen, und das der Projektpartner vor Ort gut angelegt.“   pst / Foto: pst

Unter Zeitdruck

Bau der Kelchstützen für Tiefbahnhof Stuttgart begonnen – Stückpreis 1,85 Millionen

Sie sind weiß, von einer eleganten Form und Architekten und Ingenieure geraten ins Schwärmen: Der Bau der sogenannten Kelchstützen, die die Decke des Stuttgarter Tiefbahnhofs und die Lichtaugen tragen sollen, hat begonnen. 28 Kelche müssen bis 2021 fertig gebaut werden – ein ehrgeiziges Unterfangen.

Die DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH hat inzwischen die Kelchbewehrung fertiggestellt sowie den größten Teil der Schalung des sechs Meter hohen, ersten Stützenabschnitts, des sogenannten Kelchfußes, begonnen. Beton soll dort voraussichtlich im Juni fließen.

32 Meter beträgt der Durchmesser im oberen Bereich der ersten Kelchstütze. Dort sitzt auch das Lichtauge, das für Tageslicht im Tiefbahnhof sorgen soll. Verbaut werden rund 350 Tonnen Stahlstreben. Der Kelchfuß besteht aus 35 Kubikmetern, der darauf befindliche Kelch aus 650 Kubikmetern Beton. Insgesamt müssen pro Kelchstütze mehr als 1000 Quadratmeter Fläche geschalt werden. Für den Kelchfuß werden dabei vier vorgefertigte, dreidimensionale Schalblöcke verspannt. Für den eigentlichen Kelch werden 60, für die aufgesetzte Hutze noch einmal 24 Schalelemente benötigt.

Es sollen immer zwei Kelchstützen parallel gebaut werden – im Wesentlichen vor Ort. Die Planer rechnen mit einer Bauzeit von sechs Monaten pro Kelch.

Damit wären die Stützen erst 2021 fertig – in dem Jahr also, in dem der gesamte Tiefbahnhof schon fertig sein sollte.

Überhaupt stellen die Kelchstützen die Ingenieure vor besondere Aufgaben: „Eine solche Konstruktion hat es nie gegeben“, sagt Bernd Hillemeier. Es gebe also keine Referenzzahlen. Der Professor für Baustoffkunde berichtet von der Betonrezeptur und der Art der Schalung. „Beton ist Mathematik, ist Physik, ist Chemie, ist Kunst. Die weißen Kelchstützen sind ein Meisterwerk aus Technik, Wissenschaft und Management“, schwärmt Hillemeier, der auch Vorsitzender des Beirats der Projekt Stuttgart–Ulm GmbH ist.

Die Ingenieure mussten ein dauerhaft weißes Erscheinungsbild der Kelche schaffen. Dazu musste eine spezielle Betonrezeptur gefunden werden. Außerdem mussten die Techniker dafür sorgen, dass die Konstruktion brandsicher ist, sprich: Sie muss Temperaturen bis zu 1200 Grad überstehen, ohne zusammenzubrechen. Jeder Kelch wird je nach Standort eine etwas andere Form aufweisen als sein Nachbar. Die Kosten für einen Kelch beziffern die Planer mit 1,85 Millionen Euro. „Die Kelchstützen sind architektonisch einzigartig und gleichzeitig eine große bautechnische Herausforderung. Wir bauen einen Bahnhof, auf den Stuttgart stolz sein wird“, sagt Manfred Leger, Vorsitzender der Geschäftsführung der DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH.

Ottmar Bögel, Gesamtprojektleiter des ausführenden Bauunternehmens Ed. Züblin AG, erinnert an die Facharbeiterleistungen. „In jeder Kelchstütze stecken nicht nur unser Know-how und viele Tonnen Stahl und Beton, sondern auch das Herzblut der Eisenbieger, Betonbauer und Ingenieure“, sagt er.             bob / Foto: bob